| Dokumenteninformation | Festlegung |
|---|---|
| Dokumenten-ID | FW-KAM-MF-02 |
| Titel | Rolleiflex 6002 und 6006 – Unterschiede, Technik und Gebrauchtkauf |
| Bereich | Ausrüstung – Kameras – Mittelformat |
| Dokumentenart | System-, Vergleichs- und Praxisseite |
| Hersteller/System | Rollei – Rolleiflex-System 6000 |
| Verantwortlich | Wiki-Eigentümer |
| Version | 1.0 |
| Stand | 29.07.2026 |
| Dokumentenstatus | Entwurf |
| Klassifizierung | Öffentlich |
| Technischer Prüfstand | Bereitgestellte Rollei-Systembroschüre sowie ergänzende Servicequellen, geprüft am 29.07.2026 |
| Wiki.js-Pfad | /Fotografen-Wiki/Ausruestung/Kameras/Mittelformat/FW-KAM-MF-02_Rolleiflex_6002_und_6006 |
Die Rolleiflex 6006 und die Rolleiflex 6002 sind elektronisch gesteuerte, motorisierte Mittelformat-Spiegelreflexkameras für Rollfilm. Rollei stellte die 6006 nach der vorliegenden Systembroschüre 1983 vor; die als Schwestermodell positionierte 6002 folgte 1985. Beide gehören zur frühen Generation des Rolleiflex-6000-Systems und verbinden das quadratische Format 6×6 cm mit TTL-Belichtungsmessung, TTL-Blitzsteuerung, motorischem Filmtransport und elektronisch gesteuerten Zentralverschlussobjektiven.
Der entscheidende Unterschied liegt im Filmwechsel:
Die 6002 ist daher nicht einfach eine schlechtere 6006. Sie ist die leichtere und etwas kompaktere Alternative für Fotografen, die kein echtes Magazinsystem benötigen.
Variantenhinweis: Die technische Tabelle der bereitgestellten Rollei-Broschüre nennt ausdrücklich die Rolleiflex 6006 mod 2. Einzelne Angaben können bei einer früheren 6006-Version abweichen. Beim Gebrauchtkauf deshalb Modellbezeichnung, Serienstand und vorhandenes Zubehör am konkreten Exemplar prüfen.

Rolleiflex 6006 mit Wechselmagazin und beschrifteten Bedienelementen. Herstellerabbildung aus der bereitgestellten Rollei-Systembroschüre.
| Merkmal | Rolleiflex 6006 mod 2 | Rolleiflex 6002 |
|---|---|---|
| Einordnung | Professionelles modulares System mit Wechselmagazinen | Kompaktere Alternative mit Wechselrückwänden |
| Markteinführung laut Broschüre | 1983 für die 6006-Baureihe | 1985 |
| Standardobjektiv | Carl Zeiss Planar 80 mm f/2,8 | Rolleigon 80 mm f/2,8 |
| Filmwechsel | Vollständige Wechselmagazine mit Laminar-Rollo und vorladbaren Filmeinsätzen | Wechselrückwände mit vorladbaren Filmeinsätzen |
| Filmwechsel mitten in der Rolle | Ja, durch Magazinwechsel | Nein, Rückwand und Filmeinsatz ersetzen kein lichtdicht abgeschlossenes Wechselmagazin |
| Mehrfachbelichtung | Integriert durch entkoppelbaren Filmtransport; Sucherbild bleibt kontrollierbar | Über Handauslöser MRC 120 oder Steuergerät ME 1 |
| 70-mm-Film | Mit Magazin 70 laut Broschüre möglich | In der Vergleichstabelle nicht ausgewiesen |
| Spiegelvorauslösung | Ja, an der Kamera | In der Vergleichstabelle nicht als eigene Kamerafunktion ausgewiesen |
| Drahtauslöseranschluss | Ja | In der Tabelle nicht ausgewiesen; Fernsteuerung über Systemanschluss |
| Gehäuse ohne Objektiv | 127 × 112 × 138 mm | 108 × 112 × 138 mm |
| Mit Standardobjektiv | 171 × 112 × 138 mm | 154 × 112 × 138 mm |
| Gewicht ohne Objektiv | 1.450 g | 1.230 g |
| Gewicht mit 80 mm f/2,8 | 2.040 g | 1.800 g |
Die Gewichtsersparnis der 6002 beträgt nach den Herstellerangaben rund 220 g. Die 6006 ist dagegen bei häufigem Wechsel zwischen mehreren Filmen, Empfindlichkeiten oder Aufnahmeformaten deutlich flexibler.

Rolleiflex 6002 mit fester Filmkammer, austauschbarer Rückwand und Rolleigon 80 mm f/2,8. Herstellerabbildung aus der bereitgestellten Rollei-Systembroschüre.
| Merkmal | Herstellerangabe für Rolleiflex 6006 mod 2 und 6002 |
|---|---|
| Kameratyp | Einäugige, motorisierte Mittelformat-Spiegelreflexkamera mit elektronischer Steuerung |
| Aufnahmeformate | 6×6 cm und 4,5×6 cm mit passender Filmführung beziehungsweise Rückwand |
| Film | 120 und 220 |
| Aufnahmen | 12/24 bei 6×6 cm; 16/32 bei 4,5×6 cm |
| Filmempfindlichkeit | ISO 25 bis 6400 beziehungsweise 15 bis 39 DIN |
| Belichtungsmessung | TTL, mittenbetonte Integralmessung über drei großflächige Silizium-Fotoelemente hinter dem Spiegel |
| Messbereich | EV 3 bis 18 bei ISO 100 und 80 mm f/2,8 |
| Belichtungssteuerung | Blendenautomatik nach Zeitvorwahl; manuelle Blendenwahl in Drittelstufen |
| Messwertspeicherung | Über Kombimesstaste |
| Verschluss | Elektronisch gesteuerter Zentralverschluss im Objektiv |
| Verschlusszeiten | 1/500 s bis 30 s sowie B |
| Blitz | TTL-Blitzmessung auf der Filmebene; Synchronisation von 1/500 s bis 30 s |
| Objektivanschluss | Rollei-Bajonett mit zehn elektrischen Kontakten |
| Filmtransport | Motorisch, Einzel- und Serienbild |
| Serienbild | 3 Aufnahmen in 2 Sekunden, entsprechend etwa 1,5 Bildern pro Sekunde |
| Spiegel | Vorauslösbarer Rückschwingspiegel mit pneumatischer Spiegelbremse |
| Standardsucher | Faltlichtschacht |
| Wechselsucher | 45°- und 90°-Prismensucher sowie starrer Lupenlichtschacht |
| Einstellscheiben | Sechs wechselbare Ausführungen laut Broschüre |
| Stativgewinde | 1/4 Zoll und 3/8 Zoll |
| Energieversorgung | Wiederaufladbarer Sinter-NC-Akku; historische Angabe etwa 600 Aufnahmen bei normaler Raumtemperatur |
| Schnittstelle | 14-poliger Universalanschluss für Steuer- und Zusatzgeräte |
Der historische Begriff kann heute missverständlich wirken. Bei der Rolleiflex wird die Verschlusszeit vorgewählt, während die Kamera die passende Blende automatisch steuert. Funktional entspricht das der heutigen Zeitvorwahl beziehungsweise Shutter Priority. Die automatisch gewählte Blende wird im Sucher und am Objektiv angezeigt. Alternativ kann die Blende manuell in Drittelstufen eingestellt werden.
Die Messung erfolgt bei beiden Kameras durch das Objektiv. Drei Silizium-Fotoelemente hinter dem teildurchlässigen Rückschwingspiegel erzeugen eine mittenbetonte Integralmessung. Während der Auslösung kompensiert die Elektronik nach Herstellerangabe Fremdlicht, das über den Sucher einfallen kann. Eine Fehlbelichtungs- und Messgrenzenanzeige erfolgt über Leuchtdioden im Sucher.
Der Zentralverschluss sitzt im jeweiligen Objektiv. Zwei Linearmotoren steuern Blende und Verschluss. Daraus ergeben sich drei praktische Vorteile:
Die elektronische Architektur hat aber eine Kehrseite: Ohne funktionierenden Akku, sichere Kontakte und ein korrekt arbeitendes Objektiv ist keine verlässliche Aufnahme möglich. Das System sollte deshalb vor einer Reise vollständig getestet werden.
Das Wechselmagazin der 6006 besteht aus Magazin, vorladbarem Filmeinsatz, Bildzählwerk und integriertem Laminar-Rollo. Es waren laut Broschüre unter anderem vorgesehen:
Das Laminar-Rollo übernimmt die Funktion eines Magazinschiebers. Es verhindert zudem, dass das Magazin bei geöffnetem Filmfenster versehentlich abgenommen wird. Die heute nicht mehr regulär verfügbaren Polaroid-Packfilme und 70-mm-Konfigurationen sind eher für Sammler als für den normalen Praxisbetrieb relevant.
Die 6002 besitzt eine feste Filmkammer mit austauschbarer Rückwand. Vorgesehen waren Rückwände für:
Die vorladbaren Einsätze vereinfachen das Nachladen. Nach dem Einsetzen spult der Motor automatisch bis zur ersten Aufnahme vor und nach dem letzten Bild vollständig auf. Anders als bei der 6006 bleibt ein teilbelichteter Film jedoch im Kameragehäuse; ein spontaner Wechsel zwischen mehreren Filmsorten erfordert eine vollständige zweite Kamera oder das vorherige Beenden der Rolle.
Die Systembroschüre zeigt ein umfangreiches Programm elektronisch gesteuerter Zentralverschlussobjektive mit HFT-Vergütung. Dazu gehörten unter anderem:
| Brennweitenbereich | Beispiele aus der Systembroschüre |
|---|---|
| Weitwinkel | Zeiss Distagon 40 mm f/4, Zeiss Distagon 50 mm f/4, Rolleigon 50 mm f/4, Zeiss Distagon 60 mm f/3,5 |
| Normalobjektiv | Zeiss Planar 80 mm f/2,8, Rolleigon 80 mm f/2,8 |
| Porträt und Tele | Zeiss Sonnar 150 mm f/4, Rolleigon 150 mm f/4, Zeiss Sonnar 250 mm f/5,6, Tele-Tessar 350 mm f/5,6, Tele-Tessar 500 mm f/8 |
| Makro | Zeiss Makro-Planar 120 mm f/4 |
| Shift | Schneider PCS Super-Angulon 55 mm f/4,5 |
| Zoom | Schneider Variogon 75–150 mm f/4,5 und 140–280 mm f/5,6 |
Zum System gehörten außerdem Zwischenringe, Balgengeräte, Retroadapter, Telekonverter, Filter, Kompendien, Wechselmattscheiben, verschiedene Sucher, Blitzadapter und Fernsteuergeräte.

Historische Übersicht des Rolleiflex-6002/6006-Systems mit Kameras, Objektiven, Magazinen, Suchern, Makro- und Blitz-Zubehör. Herstellerabbildung aus der bereitgestellten Broschüre.
Kompatibilitätsregel: „Rolleiflex 6000“ allein reicht als Kaufangabe nicht. Objektivgeneration, elektrische Kontakte, Verschlusszeiten, Sucher, Magazin und Ladegerät müssen für die konkrete Kamera geprüft werden.
Die ursprünglichen Sinter-NC-Akkus sind heute häufig das schwächste Glied. Eine Kamera kann äußerlich sehr gut aussehen und trotzdem durch einen gealterten Akku, korrodierte Kontakte oder ein ungeeignetes Ladegerät unbrauchbar sein.
Vor dem Kauf prüfen:
Als heutige Lösung werden professionell neu bestückte Akkupacks mit NiMH-Zellen angeboten. Dabei muss das Ladegerät zur Zellbestückung passen. Rolleiflex USA nennt für einen dort angebotenen NiMH-Umbau ausdrücklich die 6006, 6002 und SLX, weist aber auch darauf hin, dass nicht alle älteren Ladegerätetypen geeignet sind. Akku und Ladegerät deshalb als zusammengehöriges System prüfen; keine unbekannte Zellenbestückung unbeaufsichtigt laden.
Für eine Rolleiflex 6002 oder 6006 sollte vor dem Kauf die Reparaturmöglichkeit geklärt werden. Die Kameras verbinden Mechanik, Elektronik, Motorsteuerung und elektronische Zentralverschlüsse. Ein allgemeiner Kameraservice kann diese Komponenten nicht zwangsläufig instand setzen.
Paepke Fototechnik in Düsseldorf nennt in der veröffentlichten Reparaturtypenübersicht ausdrücklich Rollei SLX, 6002, 6006 sowie das Rolleiflex-System 6000. Rolleiflex USA führt Paepke aktuell als Servicestelle für die meisten Rollei- und Rolleiflex-Kameras, einschließlich der 6000er-Serie, sowie für PQ-, PQS- und AFD-Objektive und elektronische Rollei-Verschlüsse. Die tatsächliche Reparierbarkeit bleibt von Fehlerbild und Ersatzteillage abhängig und muss vor dem Versand bestätigt werden.
Kontakt laut aktuellem Serviceverzeichnis:
Wichtig: Die Aufnahme eines Modells in eine Serviceübersicht ist keine Ersatzteilgarantie. Vor Einsendung Fehlerbild, Modellvariante und Seriennummer mitteilen und nach Diagnosekosten, Ersatzteilen und Rückversand fragen.
| Einsatz | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Landschaft mit Schwarzweiß- und Farbfilm | Rolleiflex 6006 | Geladene Magazine lassen sich während einer Tour wechseln |
| Studio mit mehreren Filmtypen oder Formaten | Rolleiflex 6006 | Magazinprinzip und integrierte Mehrfachbelichtung |
| Ruhiges Arbeiten mit nur einer Filmsorte | Rolleiflex 6002 | Weniger Gewicht und geringere Systemkomplexität |
| Einstieg in das Rolleiflex-6000-System | Abhängig vom Zustand | Ein geprüftes 6002-Komplettset ist sinnvoller als eine defekte 6006 mit fehlendem Magazin |
| Blitz bei Tageslicht | Beide | Zentralverschluss synchronisiert bis 1/500 s |
| Lange Reise ohne Lademöglichkeit | Nur mit Reserveakku | Beide Kameras sind vollständig von ihrer elektrischen Energieversorgung abhängig |
Für Landschafts- und Architekturfotografie sprechen das große 6×6-Negativ, die wechselbaren Sucher, die Spiegelvorauslösung der 6006 und das breite Objektivprogramm. Für spontane Reportage sind Gewicht, Motorgeräusch und Energiebedarf jedoch deutlich höher als bei einer mechanischen Mittelformatkamera.
Im Kern teilen beide viele elektronische und fotografische Funktionen. Die 6002 verwendet jedoch ein anderes Filmkonzept mit Wechselrückwänden und vorladbaren Einsätzen. Außerdem ist die Mehrfachbelichtung bei ihr zubehörabhängig, während sie bei der 6006 integriert ist.
Mit der 6006 ja, wenn beide Filme in vollständigen, lichtdichten Magazinen liegen. Bei der 6002 ist dies mit einer bloßen Wechselrückwand nicht vorgesehen.
Nein. Belichtungssteuerung, Verschluss, Blende und Filmtransport sind elektronisch beziehungsweise motorisch gesteuert. Ein belastbarer Akku ist für die praktische Nutzung unverzichtbar.
Nicht pauschal. Mechanische Passung, elektrische Ansteuerung und verfügbare Verschlusszeiten müssen für die konkrete Kombination geprüft werden. Vor einem Objektivkauf ist ein Funktionstest an der eigenen Kamera die sicherste Methode.
Die 6006 ist die flexiblere Systemkamera. Die 6002 ist leichter und kann bei nur einer Filmsorte die vernünftigere Wahl sein. Entscheidender als die Modellhierarchie sind heute der technische Zustand, ein funktionierender Akku, vollständiges Filmzubehör und eine realistische Reparaturmöglichkeit.
Historische Herstellerangaben beschreiben den damaligen Lieferzustand. Verfügbarkeit von Film, Akkus, Ladegeräten, Ersatzteilen und Reparaturen wurde deshalb getrennt bewertet.
| Version | Datum | Änderung |
|---|---|---|
| 1.0 | 29.07.2026 | Erstfassung auf Basis der bereitgestellten Rollei-Systembroschüre; technische Vergleichstabelle visuell geprüft; aktuelle Hinweise zu Akku, Paepke-Service und Gebrauchtkauf ergänzt |