Schematische Lehrgrafik zu den beiden Leica-R-Makroobjektiven und ihrer Einordnung nach Erwin Puts; ein Klick öffnet die SVG-Datei in Originalgröße.
Der niederländische Leica-Autor Erwin Puts hat das Leica Macro-Elmarit-R 60 mm f/2,8 und das Leica APO-Macro-Elmarit-R 100 mm f/2,8 in mehreren seiner Veröffentlichungen behandelt. Seine ausführlichsten Darstellungen finden sich in Leica R-Lenses, im Leica Compendium und in der Leica Chronicle. Hinzu kommen Produktions- und Seriennummernlisten in seinen Pocket Guides.
Diese Seite führt die verstreuten Beiträge vollständig zusammen. Sie übernimmt keine längeren Originalpassagen, sondern gibt technische Daten, optische Beurteilungen, Vergleiche und Praxishinweise in deutscher Sprache und in eigenen Worten wieder.
Kurzfazit: Puts beschreibt das 60-mm-Macro-Elmarit als ungewöhnlich vielseitige Normalbrennweite mit sehr guter Leistung vom Nahbereich bis zu größeren Aufnahmeentfernungen. Das 100-mm-APO-Macro-Elmarit ordnet er als Meilenstein der Leica-Objektivrechnung und als damaligen Maßstab für gleichmäßige Bildqualität, Farbkorrektur und Leistung bei Offenblende ein.
| Feld | Inhalt |
|---|---|
| Dokumenten-ID | FW-OBJ-LEI-MAK-03 |
| Titel | Erwin Puts über Leica-R-Makroobjektive – Macro-Elmarit-R 60 und APO-Macro-Elmarit-R 100 |
| Bereich | Ausrüstung – Objektive – Leica – Makro |
| Dokumentenart | Historische Quellenanalyse und Objektivvergleich |
| Verantwortlich | Wiki-Eigentümer |
| Version | 1.1 |
| Stand | 01.09.2026 |
| Quellenstand | Lokales Erwin-Puts-Archiv, vollständig durchsucht am 01.09.2026 |
| Dokumentenstatus | Als Recherche- und Arbeitsseite im Fotografen-Wiki veröffentlicht; redaktionelle Weiterentwicklung |
| Klassifizierung | Öffentlich vorgesehen |
| Wiki.js-Pfad | /Fotografen-Wiki/Ausruestung/Objektive/Leica/Makro/FW-OBJ-LEI-MAK-03_Erwin_Puts_Leica_R_Makroobjektive_60_100 |
| SEO-Feld | Inhalt |
|---|---|
| SEO-Titel | Leica-R-Makroobjektive 60 und 100 mm nach Erwin Puts |
| Meta-Beschreibung | Erwin Puts über Leica Macro-Elmarit-R 60 und APO-Macro-Elmarit-R 100: Technik, MTF, Schärfe, Vignettierung, Makropraxis und Vergleich. |
| Hauptkeyword | Erwin Puts Leica-R-Makroobjektive |
| Sekundäre Suchbegriffe | Macro-Elmarit-R 60 Test, APO-Macro-Elmarit-R 100 Test, Leica R Makro, Leica Compendium Objektivtest |
| Suchintention | Historische Beurteilungen und technische Daten der beiden Leica-R-Makroobjektive nachvollziehen |
| Empfohlener URL-Slug | erwin-puts-leica-r-makroobjektive-60-100 |
Die inhaltlich wichtigsten Beiträge sind:
| Werk | 60 mm | 100 mm | Charakter der Quelle |
|---|---|---|---|
| Leica R-Lenses, Sammelwerk ab 2003 | Kapitel 1, insbesondere PDF-Seiten 15–17 und Zusammenfassung auf Seite 20 | Kapitel 2, insbesondere PDF-Seiten 32–35 | ausführliche optische und fotografische Bewertung mit MTF, Vignettierung, Verzeichnung und Vergleichsobjektiven |
| Leica Compendium, 3. Auflage 2011 | Abschnitt 7.3.22, PDF-Seiten 544–545 | Abschnitt 7.3.29, PDF-Seiten 552–553 | verdichteter Objektivbericht mit technischen Daten, Konstruktionsbeschreibung und MTF |
| Leica Chronicle, 2014 | Abschnitt 38.22, PDF-Seiten 197–198 | Abschnitt 38.29, PDF-Seite 201 | Modellgeschichte, Fassungen, Bestellnummern, Kompatibilität und Kurzbewertung |
| Leica Serial Numbers, 2010 | Produktionslose auf PDF-Seiten 89–115 | Produktionslose auf PDF-Seiten 104–119 | Seriennummern- und Produktionsdaten |
| Leica Pocket Guide, 2010 | Produktionslisten auf PDF-Seiten 34–59 | Produktionslisten auf PDF-Seiten 49–64 | kompaktes Seriennummern-Nachschlagewerk |
| Leica Pocket Guide 1953–2018 | Produktionslisten vor allem auf PDF-Seiten 95–143 | Zeittafel auf Seite 10 und Produktionslisten vor allem auf Seiten 123–149 | aktualisierte chronologische und serielle Übersicht |
In Leica Lens Saga 2016, Leica M-Lenses – Their Soul and Secrets und Leica Practicum fanden sich keine eigenständigen Beiträge zu diesen beiden Leica-R-Makroobjektiven.
Puts verbindet technische Informationen, MTF-Diagramme und eigene fotografische Wertungen. Seine Texte sind eine wichtige historische Fachquelle, aber kein moderner, herstellerunabhängiger Labortest mit mehreren statistisch ausgewählten Exemplaren. Bei heute gebrauchten Objektiven beeinflussen Alter, Dezentrierung, Schleier, Beschädigungen, Umbauten und Wartungszustand das Ergebnis.
Leseregel: Die folgenden Aussagen geben wieder, wie Puts die Konstruktionen und ihre Leistung beurteilt. Sie sind nicht automatisch ein Zustandsnachweis für jedes heute angebotene Exemplar.
| Merkmal | Macro-Elmarit-R 60 mm f/2,8 | APO-Macro-Elmarit-R 100 mm f/2,8 |
|---|---|---|
| Leica-R-Produktionszeit nach den ausführlichen Puts-Einträgen | 1972–2008 | 1987–2008 |
| Lichtstärke | f/2,8 | f/2,8 |
| optischer Aufbau | 6 Linsen in 5 Gruppen | 8 Linsen in 6 Gruppen |
| Bildwinkel | 39° | 25° |
| Naheinstellgrenze | 0,27 m | 0,45 m |
| größter Maßstab ohne Zusatz | 1:2 | 1:2 |
| größter Maßstab mit vorgesehenem Zubehör | 1:1 | 1:1 mit APO-Elpro |
| Filter | frühe Fassung Series 8, spätere Fassung E55 | E60 |
| Gewicht | je nach Fassung ungefähr 375 bis 520 g | ungefähr 760 g |
| besondere Korrektur | für gleichmäßige Leistung im Nah- und mittleren Entfernungsbereich optimiert | apochromatische Korrektur und bewegliche Linsengruppen für den Nahbereich |
| Rolle im System | Makro- und universelles Normalobjektiv | Makro- und hochkorrigiertes kurzes Teleobjektiv |
Die unterschiedlichen Brennweiten verändern die Arbeitsweise deutlich. Das 60er bezieht leichter Umgebung in das Bild ein und eignet sich als Normalobjektiv. Das 100er verengt den Bildwinkel, vergrößert den Abstand zum Motiv und erleichtert dadurch die Lichtführung sowie Aufnahmen scheuer Motive.
Puts führt drei äußerlich unterschiedliche Fassungen auf, deren optische Rechnung unverändert blieb:
Die Fassung 11212 ist laut Leica Chronicle nicht auf ROM umrüstbar. Die spätere 11253 ist für R-Kameras vorgesehen und nicht für die ursprüngliche Leicaflex. Je nach Version unterscheiden sich Gewicht, Kamera-Kompatibilität, Frontfassung und mechanische Ausführung. Puts nennt für die frühe Version Series 8 und für die spätere Version E55.
Die von Puts genannten Seriennummerngrenzen sind nicht vollständig deckungsgleich:
| Quelle | genannter Beginn |
|---|---|
| Leica Compendium | ab 2.497.101 |
| Leica Chronicle | ab 2.413.601 |
Die Abweichung kann aus unterschiedlichen Abgrenzungen von Vorserie, Katalogfassung oder Produktionslos entstehen. Sie sollte nicht durch eine scheinbar exakte Einzelzahl verdeckt werden.
Das im Fotografen-Wiki dokumentierte eigene Exemplar trägt die Seriennummer 2630450. Diese liegt in Puts’ Tabellen im Los 2629601 bis 2630600, das dem Macro-Elmarit-R 60 mm f/2,8 und dem Jahr 1973 zugeordnet wird.
Damit ist das Objektiv sehr wahrscheinlich ein frühes Exemplar. Die Seriennummer allein beweist jedoch weder die genaue mechanische Fassung noch spätere Umbauten. Frontfassung, Bajonett, Steuerkurven und Gegenlichtblende müssen am Objektiv selbst geprüft werden.
Puts betrachtet die Bezeichnung „Macro“ in einem weiteren Sinn. Das Objektiv sei nicht ausschließlich für extreme Vergrößerungen gerechnet, sondern vor allem für eine hohe Leistung bei mittleren und kurzen Aufnahmeentfernungen. Er beschreibt es deshalb sinngemäß eher als besonders nahbereichstaugliches Elmarit.
Normale Objektive werden überwiegend für große Entfernungen optimiert. Beim Macro-Elmarit-R 60 soll die Leistung beim Fokussieren auf kurze Distanzen wesentlich weniger abfallen. Seine Stärke liegt nach Puts ungefähr zwischen zwei Metern und der Naheinstellgrenze. Gleichzeitig bleibt es bei größeren Entfernungen sehr gut nutzbar.
Diese Abstimmung macht das 60er zu einem universellen Werkzeug für:
Bei f/2,8 beschreibt Puts einen bereits hohen Gesamtkontrast. Gröbere Strukturen und Motivkanten werden gut wiedergegeben. Sehr feine Einzelheiten sind über einen großen Teil des Bildfeldes klar erkennbar, während die äußersten Ecken etwas weicher bleiben können.
Seine MTF-Interpretation differenziert dieses positive Urteil: Die niedrigen Ortsfrequenzen liegen bereits hoch, während mittelfeine Strukturen bei Offenblende noch etwas weichere Kanten zeigen. Das Objektiv wirkt daher nicht schwach, erreicht seine ausgeprägteste Feinzeichnung aber erst abgeblendet.
Bei f/4 verbessert sich insbesondere die Wiedergabe sehr feiner Strukturen. Bei f/5,6 sieht Puts das Leistungsoptimum:
Bei f/8 wird nach seiner MTF-Deutung bereits der erste Einfluss der Beugung sichtbar. Fotografisch kann f/8 wegen der größeren Schärfentiefe trotzdem sinnvoller sein. Die theoretisch höchste Detailzeichnung und die praktisch benötigte Schärfentiefe sind im Makrobereich nicht dasselbe.
Puts beschreibt die Verzeichnung des 60ers als praktisch nicht vorhanden. Im Leica Compendium nennt er für die Vignettierung bei Offenblende ungefähr 1,2 Blendenstufen. Abblenden reduziert den Helligkeitsabfall; für besonders gleichmäßige Reproduktionen empfiehlt sich ein Arbeitsbereich ab etwa f/5,6.
In Leica R-Lenses bewertet er die Streulichtunterdrückung sehr positiv. Bei einem jahrzehntealten Gebrauchtobjektiv muss diese Aussage dennoch am konkreten Exemplar überprüft werden. Schleier, innere Verschmutzung, Kratzer, Vergütungszustand und Reflexionen zwischen Objektiv, Adapter und Digitalsensor können das Verhalten verändern.
Puts beurteilt die Leistung im Nahbereich als außergewöhnlich gleichmäßig. Zwar kann der Gesamtkontrast bei großen Abbildungsmaßstäben etwas sinken, feine Texturen bleiben aber klar erkennbar. Die Übergänge von Schärfe zu Unschärfe beschreibt er als weich und gut lesbar: Unscharfe Formen behalten ihre Grundstruktur, ohne abrupt auseinanderzufallen.
Der maximale Maßstab beträgt ohne Zusatz 1:2. Mit dem vorgesehenen Makrozubehör ist 1:1 möglich. Bei großen Maßstäben wird die Schärfentiefe sehr klein. Puts nennt als Beispiel, dass sie bereits bei ungefähr 1:10 und f/5,6 nur wenige Zentimeter beträgt.
Der lange Fokussierweg unterstützt die präzise Einstellung im Nahbereich, macht aber einen schnellen Wechsel zwischen kurzer und großer Entfernung langsamer. Puts sieht das Objektiv deshalb weniger als spontanes Reportagewerkzeug und stärker für eine bewusste, dokumentarische oder meditative Arbeitsweise.
Der Bildwinkel von 39° isoliert ein Motiv etwas stärker als ein 50-mm-Objektiv, ohne bereits wie ein deutliches Tele zu wirken. Das erleichtert eine konzentrierte Bildgestaltung und erhält zugleich genug Umfeld für erzählerische Nahaufnahmen.
In Kapitel 1 von Leica R-Lenses vergleicht Puts drei unterschiedliche Normalobjektiv-Konzepte:
Wer große Blenden benötigt, hat mit Summilux oder Summicron Vorteile. Wer dagegen eine genaue Wiedergabe vom Nahbereich bis zu normalen Aufnahmeentfernungen sucht, erhält nach Puts mit dem 60er die konsequenteste Lösung.
Die ausführlichen Objektiveinträge nennen eine Produktionszeit von 1987 bis 2008. In der allgemeinen Chronologie der Leica Chronicle und im späteren Pocket Guide erscheint dagegen 1988. Wahrscheinlich beziehen sich die Angaben auf unterschiedliche Zeitpunkte wie Produktionsbeginn, Vorstellung oder Markteinführung. Ohne zusätzliche Primärunterlage sollten deshalb beide Jahresangaben transparent bleiben.
Puts nennt folgende Kerndaten:
| Merkmal | Angabe nach Puts |
|---|---|
| Bestellnummer | 11210 |
| ROM-Ausführung | 11352 |
| Seriennummernbereich in der Leica Chronicle | 3.412.891 bis 3.959.910 |
| optischer Aufbau | 8 Linsen in 6 Gruppen |
| Bildwinkel | 25° |
| Naheinstellgrenze | 0,45 m |
| Gewicht | ungefähr 760 g |
| Filter | E60 |
| Gegenlichtblende | eingebaut und ausziehbar |
| maximaler Maßstab | 1:2; mit APO-Elpro 1:1 |
Puts ordnet die Rechnung Wolfgang Vollrath zu und beschreibt sie als eine der letzten herausragenden Konstruktionen der Wetzlarer Entwicklungsphase vor dem verstärkten Einsatz asphärischer Technologien.
Die Grundstruktur besteht aus einer sechslinsigen, vom Doppel-Gauß-Typ abgeleiteten Hauptgruppe und einer zusätzlichen zweilinsigen hinteren Gruppe. Beim Fokussieren verändert sich die Lage der Gruppen zueinander. Diese Konstruktion hält die Leistung über einen großen Entfernungsbereich gleichmäßig und verbessert insbesondere den Nahbereich.
Puts betont zugleich einen konstruktiven Zielkonflikt: Die zusätzliche Korrektur für kurze Entfernungen ermöglicht die außergewöhnliche Makroleistung, setzt der theoretisch maximalen Leistung bei sehr großen Entfernungen aber Grenzen. In der fotografischen Praxis bleibt das Objektiv dennoch ein hochklassiges kurzes Teleobjektiv.
Das Kürzel APO steht für eine besonders weitgehende Korrektur chromatischer Abbildungsfehler. Puts hebt beim 100er vor allem hervor:
Er beschreibt die Farbkorrektur als außergewöhnlich gut und auch im Vergleich mit späteren Konstruktionen weiterhin bemerkenswert.
Das 100er erreicht nach Puts bereits bei Offenblende sein charakteristisches Leistungsniveau:
In Leica R-Lenses stellt er heraus, dass das Objektiv zu den seltenen Konstruktionen gehört, die bereits vollständig geöffnet annähernd ihre beste Leistung zeigen und durch Abblenden nur noch geringfügig gewinnen.
Abblenden erhöht vor allem die Schärfentiefe. Die Steigerung von Kontrast und Detailzeichnung bleibt klein, weil das Ausgangsniveau bei f/2,8 bereits sehr hoch ist. Bei ungefähr f/5,6 erkennt Puts eine leichte Fokusverschiebung. Sie fällt gerade deshalb auf, weil sphärische Fehler weitgehend korrigiert sind und die Offenblendenleistung so hoch liegt.
Für kritische Reproduktionen oder Makroaufnahmen empfiehlt sich daher:
Puts beschreibt die Verzeichnung als nahezu null. Dadurch eignet sich das 100er nicht nur für Naturdetails, sondern auch für Architekturdetails, Kunstwerke, technische Gegenstände und Reproduktionen.
Die Vignettierung bei f/2,8 beziffert er auf ungefähr 0,7 Blendenstufen. In der Praxis bewertet er diesen Helligkeitsabfall als gering. Abgeblendet wird die Ausleuchtung sehr gleichmäßig.
Ohne Zusatz erreicht das Objektiv 1:2. Für 1:1 ist das speziell gerechnete APO-Elpro vorgesehen. Puts weist darauf hin, dass jede zusätzliche optische Gruppe die Leistung geringfügig beeinflussen kann. Mit APO-Elpro sinkt der Kontrast bei offenen Blenden etwas, was vor allem bei extrem feinen Strukturen sichtbar wird. Für maximale Leistung bei 1:1 empfiehlt sich moderates Abblenden.
Im großen Nahbereich verändert sich die wirksame Brennweite durch die Gruppenbewegung. Puts nennt bei der 1:1-Konfiguration ungefähr 92 mm. Perspektive und Arbeitsabstand entsprechen daher im extremen Nahbereich nicht exakt einem starr fokussierten 100-mm-Objektiv.
Mit dem APO-Extender 2× entsteht nominell ein 200-mm-System mit einer größten Blende von ungefähr f/5,6. Puts betrachtet diese Kombination eher als Lösung für besondere Situationen. Bei offener Kombinationsblende sinkt der Gesamtkontrast, während f/8 die Leistung sichtbar verbessert.
Für den regulären Makroeinsatz ist das APO-Elpro die gezieltere Ergänzung. Der Extender ist sinnvoll, wenn die größere Brennweite und der engere Bildwinkel wichtiger sind als Lichtstärke und maximale Handlichkeit.
Puts widerspricht der Vorstellung, das 100er sei für Porträts „zu scharf“. Die sehr gute Leistung bei f/2,8 zeige nicht nur Hautdetails, sondern auch feine Farb-, Licht- und Tonwertabstufungen. Gleichzeitig bleibt die Schärfentiefe bei Offenblende begrenzt. Die Kombination aus hoher Präzision in der Fokusebene und weicher räumlicher Trennung kann einen realistischen Tiefeneindruck erzeugen.
Das Objektiv eignet sich damit neben Makroaufnahmen für:
Puts vergleicht die drei Objektive nicht nur nach Brennweite, sondern nach Einsatzzweck:
| Objektiv | hauptsächliche Stärke | Einschränkung gegenüber dem 100er |
|---|---|---|
| Summilux-R 80 mm f/1,4 | Available Light, geringe Schärfentiefe und emotionaler Bildcharakter | weniger gleichmäßige Offenblendenleistung und keine vergleichbare Makrofunktion |
| APO-Summicron-R 90 mm f/2 ASPH. | höchste optische Leistung, eine Blende lichtstärker, leichter und ergonomischer | geringere Nahbereichsfähigkeit |
| APO-Macro-Elmarit-R 100 mm f/2,8 | sehr gleichmäßige Leistung über Entfernungen und Bildfeld bis 1:1 mit APO-Elpro | schwerer, weniger lichtstark und nicht optimal in der Handhabung |
Wer keine ausgeprägte Nahbereichsfähigkeit benötigt, erhält mit dem 90er nach Puts die handlichere und lichtstärkere Wahl. Wer zwischen normalen Entfernungen und Makro wechseln und dabei eine möglichst konstante Leistung behalten möchte, findet im 100er die speziellere Lösung.
| Kriterium | 60 mm | 100 mm |
|---|---|---|
| fotografische Grundidee | Makroobjektiv und universelle Normalbrennweite | kompromissloseres APO-Makro und kurzes Tele |
| Offenblende | gut bis sehr gut, äußerste Ecken und feinste Strukturen noch steigerbar | bereits außergewöhnlich gleichmäßig und nahe am Leistungsmaximum |
| bevorzugter Arbeitsbereich | ungefähr f/4 bis f/5,6 | f/2,8 bis f/5,6, abhängig von benötigter Schärfentiefe |
| Verzeichnung | praktisch nicht vorhanden | praktisch null |
| Vignettierung bei Offenblende | ungefähr 1,2 Blendenstufen | ungefähr 0,7 Blendenstufen |
| chromatische Korrektur | sehr gut, aber nicht als APO bezeichnet | besonders weitgehende APO-Korrektur |
| Nahbereich ohne Zusatz | 1:2 | 1:2 |
| 1:1 | mit mechanischem Makrozubehör | mit speziell gerechneten APO-Elpro |
| Arbeitsabstand | kürzer | größer |
| Fokussierung | langer Weg, präzise, aber langsam | präzise, insgesamt schwerere Kombination |
| allgemeine Fotografie | sehr vielseitig, natürlicher Bildwinkel | stärkere Verdichtung und Freistellung |
| Digitaltauglichkeit nach Puts | sehr gut, besonders bei mittleren Blenden | ausdrücklich als ausgezeichnet beurteilt |
Das 60er passt besser, wenn …
Das 100er passt besser, wenn …
Puts weist bei beiden Konstruktionen auf ihre Eignung für digitale Kameras hin. Das 100er hebt er dabei besonders hervor. Die historische Objektivleistung allein garantiert jedoch noch kein optimales digitales Ergebnis.
Zu prüfen sind:
An einer spiegellosen Kamera erfolgt die Fokussierung direkt über den Sensor. Fokuslupe und Focus Peaking helfen, ersetzen aber keine vergrößerte Kontrolle der tatsächlich entscheidenden Motivfläche. Bei großen Maßstäben ist eine kleine Fokusreihe häufig zuverlässiger als eine einzelne Aufnahme.
Adapterbetrieb: Die Puts-Texte beurteilen die optischen Konstruktionen. Aussagen zur konkreten Kombination mit Leica M EV1, Leica SL oder Fremdkameras müssen zusätzlich anhand des verwendeten Adapters und des individuellen Objektivs geprüft werden.
Die historische Spitzenleistung lässt sich nur nutzen, wenn das konkrete Objektiv mechanisch und optisch in Ordnung ist.
Wer bewusst die letzte Ausführung der beiden Leica-R-Makroobjektive sucht, sollte nicht nur nach einem möglichst hohen Baujahr fragen. Entscheidend sind die ROM-Ausführung, die zugehörige Artikelnummer, die sichtbaren ROM-Kontakte am Bajonett und die Seriennummer des konkreten Objektivs. Artikelnummer und Seriennummer dürfen dabei nicht verwechselt werden: Die Artikelnummer bezeichnet die Ausführung, die Seriennummer das einzelne Exemplar.
| Objektiv | Letzte Ausführung | Einführung der ROM-Ausführung | Leica-Artikelnummer | Letztes bei Puts eindeutig zuordenbares Seriennummernlos | Praktisches Kaufziel |
|---|---|---|---|---|---|
| Macro-Elmarit-R 60 mm f/2,8 | ROM, E55, eingebaute Gegenlichtblende | etwa 1996 | 11347 | 3.819.625–3.820.124, Los von 1998 | ROM-Kontakte und Artikelnummer 11347; bevorzugt ein dokumentiertes spätes Exemplar aus dem Bereich 3.819.625–3.820.124 |
| APO-Macro-Elmarit-R 100 mm f/2,8 | ROM, E60, eingebaute Gegenlichtblende | etwa 1996 | 11352 | 3.959.411–3.959.910, Los von 2002 | ROM-Kontakte und Artikelnummer 11352; bevorzugt ein dokumentiertes spätes Exemplar aus dem Bereich 3.959.411–3.959.910 |
Wichtig: Die genannten Bereiche sind die letzten in den ausgewerteten Puts-Listen eindeutig bezeichneten Produktionslose. Beide Objektive blieben nach anderen Katalogangaben bis ungefähr 2008 beziehungsweise bis zum Ende des R-Systems 2009 im Angebot. Für die letzten Angebotsjahre sind jedoch keine lückenlosen Seriennummernblöcke veröffentlicht. Eine höhere Seriennummer kann deshalb ein späteres Exemplar kennzeichnen, darf aber nicht ohne weitere Belege automatisch einem bestimmten Baujahr zugeordnet werden.
Die letzte Ausführung trägt die Artikelnummer 11347 und besitzt die elektronische ROM-Kontaktleiste. Die optische Rechnung blieb nach der Puts-Auswertung gegenüber den vorausgehenden Fassungen unverändert. Der Mehrwert der ROM-Version liegt daher vor allem in der elektronischen Objektiverkennung durch geeignete Leica-R-Kameras beziehungsweise kompatible Leica-Adapter, nicht in einer neuen optischen Konstruktion.
Das letzte in den ausgewerteten Produktionslisten klar benannte Los reicht von 3.819.625 bis 3.820.124 und wird dem Jahr 1998 zugeordnet. Bereits der Seriennummernbereich 3.744.089 bis 3.744.588 aus dem Jahr 1996 enthält nachweislich ROM-Exemplare. Für einen Kauf sollte der Anbieter deshalb folgende Fotos bereitstellen:
Die letzte Ausführung besitzt die Artikelnummer 11352 und ROM-Kontakte. Das letzte in den ausgewerteten Puts-Tabellen eindeutig bezeichnete Los reicht von 3.959.411 bis 3.959.910 und wird dem Jahr 2002 zugeordnet. Auch hier bedeutet die letzte Fassung nicht automatisch eine andere optische Rechnung. Für die Kaufentscheidung sind Zustand, Zentrierung, Fokussiermechanik und die tatsächliche ROM-Ausführung wichtiger als wenige Stellen Unterschied bei der Seriennummer.
Beim 100er sollte der Anbieter zusätzlich den langen Fokussierweg vollständig prüfen und – falls angeboten – den Zustand des APO-Elpro 1:2–1:1 dokumentieren. Das APO-Elpro gehört nicht automatisch zum Objektiv, ist aber für den Bereich bis ungefähr 1:1 die vorgesehene Ergänzung.
Für die rein manuelle Adaption an eine spiegellose Kamera erzeugt ROM keinen optischen Vorteil. Wenn ein sehr gut erhaltenes Nicht-ROM-Exemplar nachweislich sauber zentriert ist und deutlich besser läuft als ein spätes ROM-Exemplar, ist der bessere mechanische und optische Zustand meist die vernünftigere Wahl. Wird dagegen ein Leica-Adapter verwendet, der ROM-Objektive erkennt, kann die ROM-Ausführung die Objektiverkennung und die Übermittlung der Objektivdaten unterstützen.
Die offizielle Leica-Kompatibilitätsübersicht führt das 60er unter 11347 und das 100er unter 11352 als ROM-R-Objektive. Nicht-ROM- beziehungsweise nachträglich umrüstbare Fassungen werden dort getrennt ausgewiesen: Leica Camera AG – Kompatibilität der R-Objektive öffnen.
Konkrete Suchbegriffe: „Leica Macro-Elmarit-R 60 11347 ROM“ und „Leica APO-Macro-Elmarit-R 100 11352 ROM“. Die Bezeichnung „ROM“ im Angebotstext sollte immer durch ein Foto der Kontaktleiste und der tatsächlichen Seriennummer bestätigt werden.
Deutliche Unterschiede zwischen linker und rechter Bildseite sprechen eher für Dezentrierung, Verkippung oder Adapterprobleme als für den normalen Charakter der optischen Rechnung.
Puts beschreibt beide Objektive ausgesprochen positiv, aber nicht als austauschbar.
Das Macro-Elmarit-R 60 mm f/2,8 ist die vielseitigere Konstruktion. Es verbindet Nahbereich, Reproduktion und normale Fotografie. Seine beste Detailleistung erreicht es nach Puts um f/5,6. Verzeichnung ist praktisch nicht vorhanden, die Leistung bleibt über das Bildfeld und unterschiedliche Entfernungen bemerkenswert gleichmäßig. Seine Grenzen liegen eher in der geringeren Lichtstärke gegenüber 50-mm-Summicron und -Summilux sowie in der langsamen Fokussierung über den langen Einstellweg.
Das APO-Macro-Elmarit-R 100 mm f/2,8 ist die anspruchsvollere Spezialkonstruktion. Bereits bei Offenblende bietet es sehr hohe Gleichmäßigkeit, ausgezeichnete Farbkorrektur, geringe Vignettierung und praktisch keine Verzeichnung. Der größere Motivabstand und die Telewirkung sind im Makrobereich vorteilhaft. Dafür ist das Objektiv schwerer, weniger lichtstark als das APO-Summicron-R 90 und in der Handhabung nicht so spontan.
Puts’ Grundgedanke in heutiger Sprache: Das 60er ist ein außergewöhnlich gutes Allround-Makro. Das 100er ist das präzisere APO-Spezialwerkzeug, das zugleich als hochwertiges kurzes Tele eingesetzt werden kann.
Damit auch die kurzen, nicht als eigener Objektivbericht angelegten Erwähnungen nachvollziehbar bleiben, wurden folgende Stellen einbezogen:
| Werk | PDF-Seite | Inhalt |
|---|---|---|
| Leica R-Lenses | 29 | Offenblendenvergleich des APO-Summicron-R 90 ASPH. mit dem APO-Macro-Elmarit-R 100 |
| Leica R-Lenses | 129 und 132 | Vergleich der Leistung von Leica-R-Zoomobjektiven mit dem 100-mm-APO-Makro |
| Leica Compendium | 89 | historische Einordnung des 100ers unter den herausragenden Leica-Konstruktionen seiner Epoche |
| Leica Compendium | 124 | Würdigung als Maßstab der damaligen Leica-Objektivrechnung und als letzte von Vollrath betreute Wetzlarer Konstruktion |
| Leica Compendium | 149 | Hinweis auf die weiterhin sehr gute Leistung an Digitalkameras |
| Leica Compendium | 273 | Beispiel für besonders weitgehende Korrektur chromatischer Fehler |
| Leica Compendium | 378 | Empfehlung für den adaptierten Einsatz des 100ers an digitalen Spiegelreflexkameras |
| Leica Compendium | 560 sowie 582–583 | Leistungsvergleiche mit Tele- und Vario-Objektiven |
| Leica Compendium | 602–603 | Übersicht zu Entwicklungsort, Erscheinungsjahr und Seriennummernbeginn der R-Objektive |
| Leica Chronicle | 12 | Aufnahme des 100ers in die Leica-Zeittafel unter 1988 |
| Leica Chronicle | 230 | konstruktive und qualitative Bezugnahme beim Summarit-S 120 mm |
| Leica Chronicle | 235 | vermutlich redaktionell fehlerhafte Bezeichnung „Apo-Elmarit-M 100 mm“; nicht als eigenständiges M-Objektiv gewertet |
| Leica Chronicle | 254 | Einordnung des 100ers am Ende einer Epoche klassischer Wetzlarer Objektivrechnung |
| Leica Chronicle | 289–303 | Seriennummernanhang mit Produktionslosen beider Objektive |
Urheberrechtlicher Hinweis: Die Quellen wurden ausgewertet und in eigenen Worten zusammengefasst. Die Seite ersetzt nicht die Originalveröffentlichungen und enthält keine vollständige wörtliche Wiedergabe der Puts-Texte.
| Version | Datum | Änderung |
|---|---|---|
| 1.1 | 01.09.2026 | Kauf- und Identifikationstabelle für die letzten ROM-Ausführungen ergänzt; Artikelnummern, letzte dokumentierte Produktionslose, Aussagegrenzen der Seriennummerndatierung und Prüfschritte für Kaufangebote erläutert; tatsächlichen Recherchepfad und Veröffentlichungsstatus nachgeführt. |
| 1.0 | 01.09.2026 | Vollständige deutschsprachige Synthese der lokal vorliegenden Beiträge von Erwin Puts zum Macro-Elmarit-R 60 mm und APO-Macro-Elmarit-R 100 mm; Quellen, technische Daten, optische Beurteilungen, Vergleiche und Seriennummern eingeordnet. |